Edeltraud Rosenow kam allein ins Krankenhaus. Niemand hielt ihre Hand, und als ihr Baby geboren war, sah der Arzt sie ein einziges Mal an. In diesem Blick lag etwas, das ihm die Augen feucht werden ließ.
Edeltraud war allein gekommen. Ihr Mann Jochen hatte sie verlassen, sobald er von der Schwangerschaft erfahren hatte. Monate waren vergangen, aber seine Worte hingen noch immer im Raum wie dünner Nebel.
Die Geburt dauerte Stunden, doch endlich schrie der Junge durch das Zimmer, und der Schrei war wie ein Riss in der Morgenluft. Alles war gut, das Kind war gesund. Dr. Wolfram Hartmann nahm den Säugling vorsichtig auf die Arme, um ihn Edeltraud zu geben. Doch auf halbem Weg geschah etwas Seltsames.
Er blieb stehen. Seine Hände zitterten leicht. Er sah das Gesicht des Neugeborenen an, dann Edeltraud, dann wieder das Kind. Seine Augen schwammen in Tränen.
„Herr Doktor, ist alles in Ordnung?“, fragte Edeltraud beunruhigt.
Er nickte, doch er brauchte einen Moment, um zu sprechen. Dann flüsterte er mit einer Stimme, die wie ein trockener Ast brach, etwas, das Edeltraud für einen Augenblick in Stein verwandelte.
Die Fortsetzung seiner Worte stand in einem ersten Kommentar, der sich irgendwo zwischen Traum und Artikel aufspannte.
Der Arzt hatte eine kleine Geburtsmarke am Arm des Babys gesehen. Erkannt hatte er sie sofort. Es war dieselbe Markierung wie bei seinem eigenen Sohn, der vor langer Zeit aus seinem Leben verschwunden war und mit dem er jeden Kontakt verloren hatte. Sein Herz zog sich zusammen.
Edeltraud folgte seinem Blick. In ihrem Gesicht lag eine Stille Frage. Dr. Hartmann atmete tief, mit nassen Augen, und erklärte, dass dieser Fleck der Fleck seines Sohnes sei. Deshalb sei das Kind sein Enkel.
Die Welt wankte. Der Schmerz über die Einsamkeit während der Geburt löste sich auf und wich einem tiefen, überwältigenden Gefühl. Edeltraud drückte ihren Sohn fest an sich, und der Arzt begriff, dass dieses kleine Keim den Riss geschlossen hatte, der seit Jahren durch seine Brust lief. So standen sie beieinander, als hätte der Traum am Ende eine sanfte Biegung gefunden.