Nach dem Training eilte Lena nach Hause und versprach ihrem Mann, Fischsuppe zu kochen.

Nach dem Training drängte sich Liselotte eilig nach Hause, fest entschlossen, ihrem Mann Leon ein köstliches Fischragout zu kochen. Kaum hatte sie die Wohnungstür geöffnet, sah sie Leon in der Küche stehen, ein Glas Rotwein in der Hand.

Na, das ist aber ein ganz schöner Auftritt Leon, hast du nicht genug Geduld gehabt, mich warten zu lassen? Lass mich wenigstens eine Vorspeise zubereiten, begann sie und versuchte, die Stimmung zu lockern.

Leon schüttelte nur den Kopf. Setz dich, wir müssen reden.

Liselotte hatte einen solchen Mann noch nie erlebt bedrückt, verwirrt. Mein Gott, was ist nur geschehen?

Ich weiß nicht einmal, wo ich anfangen soll Ich sags dir einfach. Meine Assistentin Katrin ist schwanger mit meinem Kind, und ich werde zu ihr gehen, gestand er.

Ach du meine Güte das ist ja wie aus einer schlechten Seifenoper. Und seit wann?

Seit etwa einem Jahr. Kaum war sie gekommen, hat sie mir ständig Aufmerksamkeit geschenkt. Ich habe nicht widerstehen können jung, schön, lebensfroh, fast wie du in deinen besten Jahren. Ich habe mich wie ein kleiner Junge verliebt. Ich wollte es dir von Herzen sagen, aber mir fehlte der Mut, dich zu verletzen, fuhr er fort.

Jetzt bleibt mir nichts mehr übrig, wir werden bald Eltern. Du weißt doch, dass ich immer ein Kind wollte Felix ist für mich wie ein Sohn, aber nicht von Blut. Ich brauche einen Erben, damit ich mein Unternehmen an jemanden weitergeben kann. Mit Katrin fühle ich mich wieder jung Vielleicht hat mich die Lebensmitte erwischt, hast du schon mal davon gehört?

Leon seufzte. Ich bin ein Schurke, das gebe ich zu. Aber ich werde dich und Felix nicht im Stich lassen. Wohnung, Auto alles bleibt euch erhalten. Ich helfe finanziell, wie versprochen. Ich zahle die Studiengebühren. Ich habe bereits ein neues Haus gekauft und den Kaufvertragsnamen auf Katrin laufen lassen, schließlich wird sie die Mutter meines Kindes.

Liselotte nickte nachdenklich. Ich verstehe, junge Schönheit wie Katrin kann jeden Mann verwirren, und du bist bei uns immer der echte Kerl gewesen. Ein Kind zu verlassen, ist ehrenhaft. Danke für das Geld, das will ich nicht ablehnen; ich will jetzt endlich reisen und für mich selbst leben. Wann ziehst du aus? Soll ich beim Packen helfen?

Leon blickte verwirrt auf seine Frau, die so ruhig wirkte besser, dass keine lauten Streitereien oder Dramen folgten.

Leb wohl, mein lieber Mann, danke für die gemeinsamen Jahre. Es war schön, an deiner Seite zu sein. Das Leben hat seinen eigenen Plan. Vielleicht finde ich noch jemanden, den ich liebe, und bin glücklich mit einem neuen Partner. Also, machs gut, Katrin wartet bestimmt schon auf mich, sagte Liselotte und ging zur Tür.

Leon schnappte hastig die Koffer, lächelte unbeholfen und eilte zum Aufzug.

Nachdem die Tür sich geschlossen hatte, ging Liselotte in die Küche, holte eine Flasche Sekt aus dem Kühlschrank, öffnete sie, goss ein volles Glas ein und trank es aus. Ihr Mann hatte sie verlassen welch ein seltsamer Abschluss.

Nie hätte sie sich das vorstellen können. Jahrelang hatten sie friedlich zusammengelebt, vielleicht nicht in leidenschaftlicher Liebe, aber mit Verbundenheit, Gewohnheit und Respekt.

Genug Gejammer, dachte sie. Ein neues Leben, neue Regeln! Ich finde etwas, womit ich meine Zeit füllen kann, und Leon wird mich finanziell unterstützen. Geld gibt Möglichkeiten, und ich muss mich an meine neue Position als Alleinstehende gewöhnen.

Die nächsten Wochen wirbelten förmlich um Liselotte. Sie schrieb sich für Tanzkurse ein, besuchte nach der Arbeit das Fitnessstudio, und an den Wochenenden schlenderte sie durch Museen, Kinos und Galerien. Ihr Nachbarin Ilse, eine alleinstehende Rentnerin, begleitete sie gern und wurde zu ihrer treuen Begleiterin.

Felix studierte in Hamburg und kam nur selten nach Berlin. So war Liselotte ganz auf sich gestellt. Sie kochte nur das, was ihr schmeckte, musste sich nicht mehr an jemand anderen anpassen und widmete sich den Dingen, die ihr Freude machten. An einen neuen Mann dachte sie nicht; das Alleinsein gefiel ihr sogar.

Die Scheidung verlief leise und einvernehmlich. Im Gerichtssaal erhaschte Liselotte kurz einen Blick auf Katrin, die durch den Flur schritt eine attraktive Frau, die offensichtlich gut zu Leon passte.

Leon übermittelte monatlich das vereinbarte Geld, wie er es versprochen hatte. Liselotte war dankbar für diese großzügige Geste. Sie wusste, dass sein Geschäft gut lief und er problemlos weiterhin für sie und Felix zahlen konnte. Katrin schien nichts von dieser Unterstützung zu wissen, wohl kaum würde sie zustimmen.

Ein Jahr verging. Liselottes Alltag änderte sich kaum: Tanz, Fitness, gelegentliche Ausflüge ins Ausland. Leon hörte plötzlich auf, Geld zu überweisen, und Liselotte fühlte sich unbehaglich, den Grund zu fragen. Vielleicht hatte Katrin das Geld blockiert egal, das Leben ging weiter. Felix verdiente inzwischen gut, studierte noch, und konnte die Studiengebühren selbst tragen. Ihr Einkommen reichte für ihre eigenen Bedürfnisse.

An einem freien Tag, ohne Eile, kochte Liselotte ihr Fischragout, stellte jedoch fest, dass das Brot fehlte ihr Lieblingsbrot. Sie sprang zur Bäckerei und traf dort zufällig Leon.

Leon, was machst du hier? rief sie überrascht.

Liselotte, hallo! Ich wohne jetzt gleich um die Ecke, hab mir gerade eine Wohnung gekauft, antwortete er lächelnd.

Was für Neuigkeiten! Und Katrin? Gibt es ein Kind? Und wer ist denn geboren?

Eine Tochter. Die Geschichte ist verrückt: Katrin war von einem Konkurrenzunternehmen eingeschleust worden. Sie gewann mein Vertrauen, ich verliebte mich, und dann drängte sie darauf, das Unternehmen auf sie zu übertragen, aus Angst, ich würde sie verlassen. Nach der Geburt habe ich aus Ärger alles unterschrieben. Ich behielt ein kleines Konto für mich, aber sie hat mich rausgeschmissen. Die Tochter ist nicht meine, das Geschäft ging an die Konkurrenz. Und jetzt stecke ich in der Klemme fast wie in einer schlechten Seifenoper, gestand er.

Ich habe mir eine neue Wohnung gekauft, einen Job gefunden. Ich lebe gut, aber mein altes Leben ist vorbei. Ich kann dir nicht mehr helfen, tut mir leid, sagte Leon bedrückt.

Liselotte fühlte plötzlich Mitleid. Du hast so viel Arbeit und Mühe in dein Unternehmen gesteckt. Aber Katrin was für eine Schwindlerin!

Du bist doch ein Narr, Lenn! Komm zu mir, ich habe das Fischragout fertig, das du so liebst, rief er.

Sie setzten sich an die alte Küche, in der sie Jahre zusammengebraten hatten, unterhielten sich herzlich, aber nun nicht mehr als Ehepartner, sondern als alte Bekannte.

Ab und zu telefonierten sie noch, jedoch ohne die Idee, wieder zusammenzukommen. Jeder ging seinen eigenen Weg. Auf den Tanzkursen lernte Liselotte einen anderen Mann kennen, heiratete ihn und fand ihr Glück.

Leon wurde zur Hochzeit eingeladen, kam und freute sich wirklich für seine Ex-Frau. Dort lernte er die Schwester ihres neuen Ehemanns kennen. Ein halbes Jahr später spazierten Liselotte und ihr neuer Mann auf Leons Hochzeit, die nun ein weiteres Kapitel in ihrem Leben war.

So zeigt das Schicksal, dass das Leben unvorhersehbar ist. Man darf nie den Mut verlieren und sich nicht dauerhaft verabschieden, egal wie schwer es scheint. Denn niemand weiß, welche Tür sich als nächstes öffnet man muss einfach weitergehen, jeden Tag dankbar annehmen und das Beste daraus machen.

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