Sabine und ich waren zehn Jahre lang verheiratet. Wir hatten zwei Töchter: Lena, die fünf Jahre alt war, und Emma, die vier Jahre alt war. Ich glaubte, dass ich genug verdiente. Wir lebten nicht im Luxus, aber wir konnten es uns leisten, zweimal im Jahr gemeinsam in den Urlaub zu fahren. Die Mädchen hatten Kindermädchen, und Sabine arbeitete etwas von zu Hause aus. Ich versuchte stets, im Haushalt zu helfen. Doch aus irgendeinem Grund schien all das für sie plötzlich keine Rolle mehr zu spielen.
Eines Tages sagte mir Sabine ganz ruhig, dass sie geht. Sie verließ nicht nur mich, sondern auch die Mädchen.
— Ich habe mich selbst gefunden, – meinte sie. – Ich will mehr.
Ein paar Wochen später sah ich Fotos von ihr im Internet: Verlobung mit einem sehr reichen Mann, Yachten, Reisen, Designerkleider.
Hat sie uns wirklich für diesen Traum verlassen?
Ich dachte immer wieder darüber nach, suchte nach Erklärungen. Doch am schwersten war es, meine kleinen Töchter fragen zu hören:
— Papa, wann kommt Mama zurück?
Ich wusste nicht, was ich ihnen antworten sollte.
Zwei Jahre vergingen…
Das Leben ging weiter. Es war schwer, aber ich kam zurecht. Ich arbeitete und verbrachte jede freie Minute mit meinen Töchtern. Sie wurden zu meinem Lebensinhalt, meinem Licht.
Eines Abends ging ich in den Supermarkt, um Milch zu holen, und da sah ich sie.
Sie stand an der Kasse – müde, in einfachen Kleidern, ihr Blick leer. Nichts erinnerte mehr an die Sabine, die einst auf Yachten posierte.
Unsere Blicke trafen sich.
Sie erstarrte, Kleingeld in den Händen.
— Du… – begann sie, verstummte dann aber.
Ich sagte nichts.
— Wie geht es den Mädchen? – fragte sie schließlich mit leiser Stimme.
Ich spürte, wie sich in mir Wut ausbreitete. Zwei Jahre Stille. Kein einziger Anruf, kein Brief.
— Ihnen geht es gut. Sie haben ja mich.
Sie wich meinem Blick aus.
— Ich würde sie gern sehen…
Ich ballte die Fäuste.
— Nach zwei Jahren erinnerst du dich an sie?
Sabine seufzte und wischte sich eine Träne ab.
— Ich habe einen Fehler gemacht.
Ich lachte bitter auf.
— Einen Fehler macht man, wenn man seinen Regenschirm bei Regen vergisst. Du hast ein anderes Leben gewählt. Du hast dich für Geld entschieden, Sabine. Hat sich etwa herausgestellt, dass Glück doch nicht nur in Yachten und Designerklamotten liegt?
Sie schloss die Augen.
— Er hat mich verlassen. In dem Moment, als ich ihm nichts mehr nützte. Jetzt habe ich gar nichts. Weder Geld noch ein Zuhause.
Ich schaute auf ihre schmalen Finger – ein Ring war nicht mehr zu sehen.
— Und meine Töchter? Brauchtest du wirklich zwei Jahre, um dich an ihre Existenz zu erinnern?
Sie begann zu schluchzen.
— Ich weiß, dass ich nichts ungeschehen machen kann. Aber bitte… lass mich sie wenigstens sehen.
Ich atmete tief durch.
— Sie erinnern sich nicht an dich, Sabine. Sie haben aufgehört zu fragen, wann du zurückkommst.
Sie brach noch mehr in Tränen aus.
— Ich bitte nicht um eine zweite Chance für mich… aber es sind doch meine Kinder…
Ich sah sie an. Vor mir stand nicht mehr dieselbe Sabine, die uns für Geld verlassen hatte. Diese Frau wirkte vollkommen gebrochen.
— Ich werde darüber nachdenken. Aber zu meinen Bedingungen.
Sie hob den Kopf, und in ihren Augen flackerte ein Funken Hoffnung auf.
— Danke…
Ich drehte mich um und ging, ließ sie zwischen all den fremden Gesichtern zurück.
Ich weiß nicht, ob ich ihr jemals verzeihen kann.
Aber eines wusste ich ganz sicher: Lena und Emma verdienen nur das Beste.