„Mein Mann meinte, ohne ihn wäre ich aufgeschmissen. Ich habe nicht diskutiert – und hab’s dann einfach auf meine Art durchgezogen.“

— Ich habe den Handwerker und die Rohrlieferung storniert. Sitz das Wochenende ohne Wasser – dann begreifst du, wer hier im Haus das Sagen hat.

Das teilte mir Jürgen mit einem Ton mit, als wäre er ein strenger Gutsherr, der seine Leibeigenen vom frischen Wasser abschneidet.

— Ich fahre übers Wochenende zu Mama. Mal eine Pause von deinen ewigen Bitten. Versuch doch wenigstens einmal, ein männliches Problem selbst zu lösen. Das Leben soll dich lehren, den zu schätzen, der dieses Haus hier stemmt.

Er stand im Flur mit gepackter Reisetasche, die Brust so herausgestreckt, als verstecke er unter der Windjacke einen Orden für die Rettung der Galaxie.

Jürgen hatte jahrelang jede eingedrehte Glühbirne als Heldentat von nationaler Bedeutung verkauft und den Kassenbon aus dem Baumarkt wie ein Ordensbuch präsentiert.

Jetzt wartete er darauf, dass ich die Hände ringe und mich an sein Bein hänge, flehend, er möge mich nicht der zerstörten Gartenwasserleitung ausliefern.

Ich ließ stumm den Blick von seinen polierten Schuhen zum Käfig in der Zimmerecke wandern.

Dort, auf einer Stange, putzte Hansi sein Gefieder – ein großer Graupapagei, mein persönlicher gefiederter Staatsanwalt mit phänomenalem Gedächtnis für fremde Dummheiten.

Hansi sah Jürgen mit runden gelben Augen an und gab ein bedeutungsvolles Krächzen von sich.

— Dann mach’s gut, Jürgen, antwortete ich gelassen. — Ein Wechsel der Tätigkeit ist die beste Erholung.

Männliche Unersetzlichkeit ist eine Ware, die schnell verdirbt: Sobald man einmal ohne sie auskommt, verwandelt sie sich vor den Augen in schlichte Unfähigkeit.

Aber das wusste Jürgen noch nicht. Er schnaubte laut, knallte die Haustür so zu, dass der Putz von der Decke rieselte, und fuhr im Sonnenuntergang davon, zu seiner Mama Hildegard.

Kaum waren seine Schritte im Treppenhaus verhallt, schaltete ich den Computer ein.

Der Auftrag für die Reparatur war auf seine Nummer ausgestellt, aber bezahlt werden sollte er von unserem gemeinsamen Konto.

Im Suchverlauf auf dem Rechner, den mein Mann im dramatischen Abgang vergessen hatte auszuschalten, hing eine stornierte Bestellung für eine neue Pumpe, Rohre und Fittings.

Und daneben – eine offene Chat-Seite.

Ich starrte auf den Bildschirm, und mein leichtes Grinsen verwandelte sich in eiskalte Wut.

Im Chat mit einem Kumpel, der Lieferant war, hing eine kurze Nachricht von meinem Mann: „Lass Heike mal zwei Tage ohne Wasser sitzen, dann stimmt sie jedem Preis zu.“

Jürgen wollte mich nicht nur übers Wochenende ohne Wasser lassen, um dann triumphierend als Retter auf weißem Pferd zurückzukehren.

Er hatte das Baumaterial bei der Firma seines Schulfreundes bestellt – zum dreifachen Marktpreis.

Das heißt, dieser „Familienvorstand“ plante nicht nur eine demonstrative Züchtigung durch Hilflosigkeit, sondern auch, aus dem Familienbudget 450 Euro zu verschleudern für das, was im nächsten Baumarkt höchstens 150 Euro gekostet hätte.

Das Mitleid mit meinem Mann war endgültig verflogen. Jetzt begann simple Rechenarbeit.

Innerhalb von zwei Stunden fand ich einen Direktlieferanten über die Großhandelsdatenbank. In drei Minuten vereinbarte ich die Lieferung für Samstagmorgen.

Weitere fünfzehn Minuten brauchte ich, um im örtlichen Forum einen tüchtigen Handwerker zu finden – Onkel Werner –, der bereit war, alles zu einem vernünftigen Preis zu montieren und nicht zu den astronomischen Summen, die mein Mann stets unter „Komplexität der Männerarbeit“ verbuchte.

Das Wochenende im Ferienhaus verging nicht nur produktiv, sondern mit einer besonderen zynischen Genugtuung.

Am Samstag brachte Onkel Werner alles mit, was auf der Liste stand, installierte die neue Pumpe, löste die Kunststoffverbindungen neu, tauschte die Fittings aus und nahm das System in Betrieb.

Die alte, angeblich irreparable Pumpe zerlegte er gleich vor meinen Augen, fand die winzige Ursache des Defekts (ein lose gewordener Kontakt) und nahm sie als Ersatzteil mit – wobei er mir fünfzig Euro dafür zählte.

Am Sonntag um fünf Uhr nachmittags duftete das Ferienhaus nach frisch gemähtem Gras.

Die neue Pumpe förderte Wasser mit dem Eifer eines Jungarbeiters, und ich saß auf der Veranda und breitete Quittungen, Garantiescheine und Lieferscheine vor mir aus.

Das Bild war perfekt. Ich wartete auf Gäste.

Um Punkt sechs knarrte das Gartentor. Zwei Personen erschienen auf dem Weg.

Voran, wie eine strenge Prüfungskommission in einem Katastrophengebiet, schritt meine Schwiegermutter Hildegard. Hinter ihr, mit einem leidenden Gesichtsausdruck eines überlasteten Atlas, trottete Jürgen her.

Sie hatten offensichtlich Verwüstung erwartet: vertrocknete Beete und mich, wie ich mit einem Rohrschlüssel in der Hand in Hysterie verfiel.

— Na, Heike? begann Hildegard, noch bevor sie die Veranda erreicht hatte. Ihre Stimme triefte vor süßem, klebrigem Gift. — Hast du jetzt begriffen, dass der Mann im Haus der Kopf ist? Eine Frau ohne Mann, heißt es, verliert beim ersten Nagel den Verstand! Jürgen hat sich solche Sorgen gemacht, solche Sorgen – das ganze Wochenende fand er keine Ruhe …

In diesem Moment drang aus dem offenen Fenster des Wohnzimmers, wo der für den Sommer umgestellte Käfig stand, ein munteres, krächzendes Geräusch von Hansi:

— Kopf ist weg! Wasser ist da! Kopf ist weg!

Hildegard verstummte, wie eine Sängerin, die den Playback verloren hat.

Jürgen reckte den Hals und starrte auf den neuen Wasserhahn an der Hauswand, aus dem in der Sonne glitzernd fröhlich Wasser tropfte.

Die Familie ist ein Boot, bei dem einer leise rudert und der zweite laut die Strömung kritisiert und sich dabei aufrichtig für den Kapitän hält.

— Aber nein, Frau Hildegard, ich stand nicht einmal von meinem Stuhl auf. — Keine Spur von Verwirrung. Treten Sie näher, setzen Sie sich. Wasser ist da, Rohre sind erneuert, der Druck ist hervorragend.

— Wie … erneuert? Mein Mann blinzelte. — Wer hat das gemacht? Du verstehst doch nichts davon! Du wurdest bestimmt hundertprozentig betrogen!

Hansi, der sein dankbares Publikum witterte, rückte näher an die Gitterstäbe, wippte mit dem Kopf und ließ die nächste Tiraden los, wobei er Jürgens Tonfall bis in die kleinste Prahlerei kopierte:

— Sie kommt von selbst! Ohne mich geht’s nicht! Sie soll’s spüren! Sie soll’s spüren! Held der Couch!

Jürgen erbleichte. Hildegard drehte sich verdutzt zum Fenster:

— Jürgen, was redet da dein Vogel?

— Der hat zu viel Fernsehen gehört, versuchte Jürgen sich matt zu rechtfertigen, während er zur Gartentür zurückwich.

Seine aufgeblasene Wichtigkeit schwand mit jeder Sekunde und machte nackter Panik Platz.

Aber der gefiederte Staatsanwalt war nicht zu bremsen.

— Sag’s Mama! Sag’s Mama! Heike schafft das nicht! beendete Hansi die Runde und stieß ein widerliches blubberndes Lachen aus, in dem unverkennbar Jürgens Lachen nach einer Bierflasche zu erkennen war.

Auf der Veranda wurde es so still, dass man die Hummel über dem Beet summen hörte.

Das Gesicht von Hildegard färbte sich tief purpurrot. Endlich begriff sie die ganze Tiefe des Sohnes-Plans: Er hatte sich nicht „gesorgt“ – er hatte zielgerichtet Sabotage betrieben, um sich dann vor ihr auf meine Kosten aufzuspielen.

— Und nun zu der Frage, wer wen betrogen hat, sagte ich und schob die Papiere vom Tisch mit einer gleichmäßigen Bewegung an die Kante, dicht vor den zusammengesunkenen Ehemann.

— Hier dein stornierter Kostenvoranschlag. 450 Euro fürs Material von deinem Kumpel. Und hier meine Quittungen. 150 Euro für alles inklusive Lieferung. Plus 50 Euro von Onkel Werner für deine „tote“ Pumpe.

Ich hielt inne und sah zu, wie mein Mann die Augen senkte.

— Summa summarum, Jürgen: Deine unschätzbare Hilfe hätte unser Budget um 300 Euro reine Verlust gebracht.

Jürgen starrte auf die Zahlen mit glasigen Augen. Seine Lippen bewegten sich hilflos, aber es kam kein Wort heraus.

— Jürgen … du wolltest also von Heike über deinen Kumpel das Dreifache verlangen? fragte Hildegard leise.

Sie hatte das Wort „Mann“ so sehr geliebt, dass sie an diesem Abend zum ersten Mal keinen Ort fand, wo es hingehörte.

Beraubt ihres wichtigsten Trumpfes in Gestalt des genialen Sohnes, verzog Hildegard die Lippen, bis sie aussahen wie eine Hühnerkloake, und wandte den Blick ab. Einen Mann zu verteidigen, der sich so dumm bei Prahlerei und Veruntreuung erwischen ließ, passte nicht in ihr Weltbild.

Ich stand auf, stützte mich mit den Händen auf den Tisch und sah meinem Mann direkt in die Augen.

Dann sammelte ich die Papiere vom Tisch und steckte meine Quittungen zusammen mit dem stornierten Kostenvoranschlag in eine durchsichtige Plastikmappe.

— Das wird von jetzt an in der Mappe „Männliche Entscheidungen“ aufbewahrt. Für die Geschichtsstunde. Damit wir beim nächsten Mal, wenn du mich wieder das Leben lehren willst, gleich ein Lehrbuch zur Hand haben.

Mein Mann öffnete den Mund, aber ich stoppte ihn mit einer Handbewegung.

— Das Familienbudget füttert nicht mehr deine Kumpel. Keinen Kostenvoranschlag, keinen Handwerker, keine männliche Entscheidung ohne meine Zustimmung. Willst du im Haus das Sagen haben – dann werde erst einmal nützlich, nicht schädlich. Solange du nur große Worte und ein Loch in der Kasse produzierst, wirst du tun, was ich sage.

Ich drehte mich um und ging ins Haus. Hinter mir war weder Protest zu hören noch die üblichen Vorträge über die Frauenrolle. Nur schweres, gedemütigtes Schnaufen.

Als ich schon die Türklinke in der Hand hatte, ertönte erneut aus dem Fenster der fröhliche Schrei von Hansi, der dieser Geschichte den endgültigen, fetten Punkt aufsetzte:

— Held der Couch! Zeig den Beleg! Zeig den Beleg!

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