Mein Mann, 45 Jahre alt, vergaß meinen Geburtstag am 27.02. und fuhr am selben Tag mit seinen Freunden zum Angeln: Während seiner Abwesenheit habe ich eine ganz besondere „Überraschung“ vorbereitet

Ich bin 45 Jahre alt und gestern, am 27. Februar, war mein Geburtstag. Mein Mann, Thomas, hat ihn komplett vergessen und ist stattdessen mit seinen Freunden zum Angeln an die Elbe gefahren. Während er weg war, hatte ich genügend Zeit, mir einen ganz besonderen Überraschungscoup zu überlegen einer, den er garantiert nie wieder vergisst.

Es ist irgendwie typisch für Thomas geworden. Kurz vor seinem fünfzigsten Geburtstag hat sich bei ihm eine sehr merkwürdige Eigenheit entwickelt. Er weiß auswendig, wann das Öl im Golf gewechselt werden muss, an welchen Tagen seine Angelkumpel nach Hamburg pilgern und wann die Fische am besten beißen. Familiendaten? Die scheinen bei ihm regelmäßig wie von Geisterhand aus dem Kopf gelöscht zu werden.

Meistens rette ich die Situation im Vorfeld. Deutliche Hinweise, kleine Zettel in der Brotdose, direkte Fragen am Frühstückstisch. Aber meinen 45. Geburtstag wollte ich anders verbringen. Ganz ohne Mahnungen und Bitten. Nach fünfundzwanzig Jahren Ehe sollte er doch eigentlich wissen, wie viel mir das bedeutet.

Am Freitagmorgen rast Thomas wie ein Wirbelwind durch die Wohnung, schleppt Angeltasche, Thermoskanne und Klappstuhl durch den Flur.

Franziska, hast du meinen Thermobecher gesehen? Die Jungs warten schon unten! Wir fahren an die Elbe, die Fische beißen heute wie verrückt. Sonntagabend bin ich wieder da Empfang ist übrigens miserabel am Wasser!

Er schenkt mir einen flüchtigen Kuss auf die Wange, dabei schaut er schon in Richtung Tür.

Machs dir schön. Kauf dir was Leckeres!

Kaum fällt die Tür ins Schloss, schlendere ich zum Kalender. Das Datum ist knallrot eingekreist mein runder Geburtstag. Er hat es nicht nur vergessen, er hat sich ganz bewusst den Tag für seinen Angelausflug ausgesucht.

Erst tat es weh. Dann wurde ich ganz ruhig, es breitete sich eine beinahe eisige Gelassenheit in mir aus. Mir kam ein Plan, wie ich Thomas für den Fische und Kumpels offenbar wichtiger sind als seine Frau mit seinen eigenen Waffen schlagen könnte. Nach seiner Rückkehr sollte es ein solches Fest geben, dass er meinen Geburtstag nie wieder vergisst.

Was ich vorbereitet habe, erzähle ich jetzt.

Thomas hat einen geheimen Sparschrank. Ein eiserner Vorrat, den er seit Jahren für den Motor eines neuen Angelbootes angespart hat. Die Scheine verwahrt er im Safe. Den Zahlencode kenne ich, weil auch seine legendäre Gedächtnisleistung manchmal kleine Aussetzer hat.

Es war eine ordentliche Summe beinahe dreihunderttausend Euro. Ich öffnete den Tresor und traf ohne großes Zögern meine Entscheidung.

Die nächsten Tage liefen ab wie noch nie zuvor: Ich buchte Catering, lud meine Freundinnen ein, dekorierte die Wohnung mit Tulpen und Narzissen aus dem Blumenladen um die Ecke. Musik, Gelächter, Sekt wir haben die Nacht durchgetanzt. Am nächsten Abend feierten wir weiter: Dinner über den Dächern von Dresden und danach ein Besuch im Wellness-Spa.

Als krönenden Abschluss habe ich mir eine Brosche gegönnt, die ich mir seit Ewigkeiten wünschte, aber wegen gemeinsamer Pläne stets aufschob.

Sonntagabend steht Thomas dann, schnaufend und zufrieden, mit einem Eimer voller Zander im Flur.

Na, schaut mal meine Ausbeute! War ein klasse Wochenende!

Er bleibt im Wohnzimmer stehen und starrt. Überall noch leere Champagnerflaschen, die Blumensträuße türmen sich in einer Ecke, auf dem Sessel liegen Tüten vom edlen Kaufhaus.

Was ging denn hier ab? Hatten wir Besuch?

Ja, hatten wir. Ich hatte Geburtstag. Meinen fünfundvierzigsten. Erinnerst du dich?

Er erstarrt, stößt einen tiefen Seufzer aus.

MistFranzi, ich habs wirklich total verpeilt. War so im Stress, ehrlich

Schon klar, unterbreche ich ihn. Deshalb habe ich mir meinen Geburtstag anders organisiert. Und mir auch selbst ein passendes Geschenk ausgesucht.

Sein Blick springt gen Arbeitszimmer. Die Safe-Tür steht offen. Er wird blass, rennt hin und kommt nach einer Minute mit fassungslosem Gesichtsausdruck zurück.

Das Geld? Da ist nichts mehr drin! Wo sind meine gesamten Ersparnisse hin?

Sieh dich um, sage ich ruhig und deute auf die Überbleibsel meiner Party.

Du hast alles ausgegeben? Das war der Bootsmotor! Da habe ich zwei Jahre für gespart!

Und ich habe fünfundzwanzig Jahre gewartet, antworte ich leise, aber bestimmt. Du hast meinen Geburtstag vergessen. Jetzt hast du wenigstens einen Grund, ihn dir für immer zu merken.

Er sackt auf das Sofa. Dann starrt er schweigend auf seinen Eimer Zander, den offenen Safe und mich. Streiten war sinnlos, immerhin war das Geld offiziell unser gemeinsames.

Er putzte den Fisch an diesem Abend wortlos.

Ein halbes Jahr ist seitdem vergangen. Thomas spart wieder für den Motor. In seinem Handy sind jetzt Erinnerungen geschaltet einen Monat, eine Woche, einen Tag vor jedem wichtigen Familienereignis. Manche Lektionen kosten einen hohen Preis. Aber diese hat er definitiv begriffen.

Ich habe gelernt, meine eigenen Wünsche nicht hintenanzustellen. Ein bisschen mehr Franziska und ein bisschen weniger Angeln tut unserer Ehe ganz gut.

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