Marina vertraute ihrem Ehemann nie. Deshalb musste sie sich ausschließlich auf sich selbst verlassen. So hatte sich ihr Eheleben entwickelt.

Marina vertraute ihrem Ehemann nie. Deshalb musste sie sich ausschließlich auf sich selbst verlassen. So hatte sich ihr Eheleben entwickelt.

Ihr Mann, Jonas, war so gutaussehend wie ein Gemälde. Darüber hinaus hatte er eine unglaubliche Ausstrahlung und war die Seele jeder Gesellschaft. Er trank nur in Maßen, rauchte nicht und hatte kein Interesse an Fußball, Angeln oder Jagen. Kurz gesagt, „ein wahrer Gentleman – wie geschaffen für ein Schloss.“

Aufgrund all dieser positiven Eigenschaften war Marina sich sicher, dass ihr Mann Trost außerhalb ihres gemeinsamen Zuhauses suchte. Solche Männer waren schließlich selten, und die „Jägerinnen“ fanden sich von selbst.

Das Einzige, was sie beruhigte, war die Tatsache, dass Jonas ihren gemeinsamen Sohn, Elias, über alles liebte. Er verbrachte seine gesamte freie Zeit mit dem Jungen und konnte gar nicht genug von ihm bekommen. Deshalb glaubte Marina, dass diese grenzenlose väterliche Liebe ausreichen würde, um ihre Familie zusammenzuhalten.

…In der Schule nannten die anderen Kinder Marina „Rotschopf“ wegen ihrer feuerroten Haare und der Sommersprossen, die ihr Gesicht bedeckten.

Ihre Mutter, eine anerkannte Schönheit, sagte ihr schon seit ihrer Kindheit:
— Marina, mein Schatz, du bist wie das hässliche Entlein. Verzeih mir den Vergleich, aber du musst diese bittere Wahrheit akzeptieren. Und wer wird sie dir sonst ins Gesicht sagen, wenn nicht deine eigene Mutter? Vielleicht wird dich kein Mann jemals heiraten, also wirst du dich im Leben nur auf dich selbst verlassen müssen. Lerne fleißig und konzentriere dich auf deine Karriere. Und wenn sich ein guter Mann findet – ziere dich nicht. Sei ihm eine treue und gehorsame Ehefrau.

Diese Worte prägten Marina ihr ganzes Leben lang.

Nachdem sie die Schule mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, begann sie ihr Studium an der Universität. Dort lernte sie ihren zukünftigen Ehemann kennen. Sie konnte nicht verstehen, was einen so begehrten jungen Mann an ihr faszinierte. Später gestand Jonas ihr, dass sie das einzige Mädchen gewesen sei, auf das er sich getraut habe zuzugehen. Marina schminkte sich nicht, kleidete sich unauffällig und wusste nicht, wie man mit Männern flirtete.

Als Marina erkannte, dass sich ein so attraktiver junger Mann für sie interessierte, beschloss sie, die Initiative zu ergreifen. Sie konnte dieses Geschenk des Schicksals nicht einfach so vorbeiziehen lassen! Sie machte Jonas selbst einen Heiratsantrag. Der junge Mann war von ihrem mutigen Vorschlag überrascht, doch Marina versicherte ihm:
— Ich werde eine sanfte, gehorsame und treue Ehefrau sein. Und die Liebe wird mit der Zeit kommen.

Jonas zögerte zunächst, doch schließlich willigte er ein. Seine Mutter, Helene Wagner, spielte eine entscheidende Rolle bei seiner Entscheidung. Als Jonas seine zukünftige Frau zum ersten Mal nach Hause brachte, musterte Helene sie mit offenkundiger Missbilligung. Ihr Sohn war ein wahrer Gentleman, eine perfekte Partie! Jedes Mädchen würde sich glücklich schätzen, ihn zu heiraten! Und hier stand… ein sommersprossiges, unscheinbares Mädchen.

Das erste Treffen mit ihrer zukünftigen Schwiegermutter verlief nicht gut.

Marina bemerkte Helenes Unzufriedenheit, aber sie gab nicht auf. Einige Tage später suchte sie Helene allein auf. Sie musste ihre Zukunft retten! Helene empfing sie, bot ihr Tee an. Diesmal erschien Marina ihr nicht mehr ganz so unattraktiv.

Marina versprach, Jonas bis an ihr Lebensende treu zu bleiben. Dieses Argument wog schwerer als all ihre „Makel“.

Helene war eine einsame Frau. Ihr Mann hatte sie und ihren Sohn für eine andere Frau verlassen, war jedoch nach einem Jahr zurückgekehrt – erschöpft und gebrochen. Doch seine Familie wollte ihn nicht mehr zurücknehmen. Helene hatte ihr ganzes Leben lang überlegt, ob sie ihm hätte verzeihen sollen. Doch sie wusste, dass der Schmerz des Verrats niemals vergangen wäre.

Einen Sohn allein aufzuziehen, war unglaublich schwer gewesen. Deshalb beschloss Helene, Jonas’ Ehe mit Marina zu akzeptieren. Sie erkannte, dass dieses Mädchen auf Jonas warten würde, egal was geschehen würde – durch alle Höhen und Tiefen des Lebens.

…Ein Jahr später bekam das Paar einen Sohn, Elias. Er war das Ebenbild seines gutaussehenden Vaters, was Helene sehr freute.

Jonas vergötterte seinen Sohn und kümmerte sich rührend um ihn. Elias wurde zum Mittelpunkt seines Lebens.

Doch die Liebe zu seiner Frau entfachte nie.

Marina verspürte ebenfalls keine Leidenschaft für Jonas. Ihre Beziehung war ruhig und routiniert. Sie wusch und bügelte seine Hemden, kochte Mahlzeiten, küsste ihn abends auf die Wange. Jonas gab sein gesamtes Gehalt seiner Frau, brachte ihr an ihrem Geburtstag Blumen, küsste sie jeden Morgen zum Abschied und eilte zur Arbeit. All das fühlte sich eher wie ein Ritual als wie Liebe an.

Nach fünf Jahren fand Jonas die wahre Liebe. Aber nicht in seiner Familie.

Ihr Name war Isabella, eine Frau von außergewöhnlicher Schönheit, bezaubernd und fast unwirklich. Jonas konnte ihrem Charme nicht widerstehen. Sechs Monate lang trafen sie sich heimlich, bis Isabella ihm schließlich ein Ultimatum stellte:
— Ich werde nicht deine Geliebte sein. Entweder heiratest du mich, oder wir trennen uns.

Jonas war hin- und hergerissen. Er wollte Isabella nicht verlieren, aber sein Sohn war ihm ebenso wichtig. In diesem Moment dachte er überhaupt nicht an Marina.

Als Elias fünf Jahre alt wurde, packte Jonas seine Sachen und verließ das Haus.

Marina erinnerte sich oft an die Worte ihrer Mutter. In ihrer Kindheit hatten sie ihr grausam erschienen, doch jetzt verstand sie, dass sie überleben würde, ohne dass es eine Tragödie werden müsste. Natürlich war ihr Herz gebrochen, aber sie würde nicht in Verzweiflung versinken.

Bevor Jonas ging, hörte er die ruhigen Worte seiner Frau:
— Falls du deine Meinung änderst – die Tür steht immer offen. Aber lass dir nicht zu viel Zeit. Elias liebt dich.

Jonas schwankte lange zwischen seinem Sohn und Isabella.

Marina ließ seine Zahnbürste im Badezimmer stehen. Jedes Mal, wenn er seinen Sohn besuchte, erinnerte sie ihn still an sein Zuhause. Eines Tages nahm er sie mit, doch beim nächsten Besuch stand eine neue an ihrer Stelle…

Jahre vergingen.

Marinas Freundinnen drängten sie, sich einen neuen Mann zu suchen, doch sie seufzte nur und schwieg.

Zwölf Jahre waren vergangen. Jonas hörte auf, Elias zu besuchen. Der Junge schloss gerade die Schule ab.

Marina akzeptierte schließlich, dass Jonas nie zurückkehren würde.

Sie beschloss, nicht mehr zu warten. Während eines Urlaubs hatte sie eine kurze, unverbindliche Romanze.

Neun Monate später hatte Elias eine kleine Schwester – Emilia.

Marinas Freundinnen waren schockiert, doch sie strahlte vor Glück.

Eines Abends klingelte es an der Tür.

— Das ist mein Papa! — rief Emilia aufgeregt.

Marina öffnete die Tür.

Auf der Schwelle stand Jonas.

— Darf ich reinkommen? — fragte er zögerlich.

— Komm rein.

Emilia lief zu ihm hin:

— Bist du mein Papa?

Marina nickte mit Tränen in den Augen.

Jonas hob das kleine Mädchen auf seine Arme:

— Hallo, meine kleine Sonne!

Dann nahm er Marinas Hand und küsste sie.

— Danke… Wirst du mir verzeihen?

Marina atmete tief durch:

— Du warst „weg“ für 17 Jahre. Aber jetzt brauchen wir einen Vater.

Elias stand schweigend zur Seite und lächelte.

Zwei Wochen später rief Marina ihre Freundin an:

— Du hast mich einmal nach dem zweiten Namen meiner Tochter gefragt? Merk es dir – **Emilia Jonasson!**

Leave a Reply

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!: