Meine Mutter hat mich mit kalter Berechnung aus der Wohnung vertrieben, in der mir ein rechtmäßiger Anteil zustand. Das war vor etwa drei Jahren, in den trostlosen Außenbezirken von Hamburg. Dennoch entschied ich, dass der Erhalt meiner Familie mehr wert war als ein Kampf um vier Wände, also schlichen meine Frau und ich davon, still und heimlich, um ein eigenes Leben zu beginnen.
Schon als Student war ich aus ihrem erstickenden Einfluss geflohen. Die tägliche Reise von Lübeck zur Universität in Bremen war eine qualvolle Tortur – ein zermürbender Albtraum, der meine Seele zerfraß. Durch irgendein Wunder gelang es mir, einen Platz im Wohnheim zu ergattern. Wer hörte, woher ich kam, starrte mich an, als sei ich ein entflohener Irrer. Doch was verstanden die schon? Endlich konnte ich entspannt zu Vorlesungen gehen, befreit von ihren diktatorischen Zeitplänen, und mein verdammtes Leben selbst in die Hand nehmen!
Jeden Hauch von Unmut meinerseits erstickte sie mit ihrem giftigen Spruch: „Ich bezahle alles, was du hast, also halt den Mund und widersprich mir nicht!“ Und ich stand da, sprachlos, unfähig, auch nur ein Wort zurückzuwerfen.
Als wir getrennte Wege gingen, entspannte sich unser Verhältnis sogar. Die Distanz wirkte Wunder – jeder hatte seinen eigenen Raum, und das passte uns allen.
Dann traf ich Anna, die Frau, die später meine Ehefrau wurde. Wir fingen in einer schäbigen Mietwohnung in Rostock an, doch als wir beschlossen zu heiraten, verkündete ich, dass wir bei meiner Mutter einziehen würden. Anna und ich hatten einen Plan: die Kosten teilen und jeden Pfennig für ein eigenes Zuhause sparen. Die Wohnung aufzuteilen oder meinen Anteil zu verkaufen? Unsinn – wozu eine schlafende Bestie wecken?
Anfangs spielte Mutter die Gastfreundliche, doch das war nur eine trügerische Maske, die bald fiel. Plötzlich entfesselte sie einen Sturm, als hätte sie sich geschworen, uns zu vertreiben. Sie klammerte sich an jede Kleinigkeit – ein falsch abgestellter Schuh, ein zu lautes Atmen – nur um uns zu zeigen, dass wir Eindringlinge waren. Sie zündete sinnlose Streitereien aus dem Nichts, und diesen täglichen Höllentanz zu ertragen, zerrte an meinen Nerven bis zum Zerreißen. Die giftige Atmosphäre fraß sich in unsere Ehe, und bald schon gingen Anna und ich uns gegenseitig an die Gurgel, Opfer ihres unbändigen Zorns.
Am Ende triumphierte sie in ihrem grausamen Spiel – wir gaben auf und flohen. Wie soll man eine Familie gründen, wenn man auf einem Pulverfass lebt? Ja, das Geld wurde knapp, aber wir tauschten das gegen Frieden, Glück und ein Leben ohne ihre ständigen Gewitter.
Wir hätten niemals die Anzahlung geschafft, wenn Annas Eltern nicht ihre baufällige Hütte bei Schwerin verkauft hätten. So kamen wir an eine Hypothek für eine kleine Einzimmerwohnung in Kiel.
Das Leben begann sich zu bessern, doch dann fiel meiner Mutter ein, dass sie einen Sohn namens Max hat. Sie stürzte sich auf mich wie ein Geier: „Da dir ein Teil gehört, zahl die Hälfte der Rechnungen!“ Ihre mickrige Rente reichte nicht mehr, und ich sollte ihr Retter in der Not sein. Ich lehnte schroff ab, drohte, meinen Anteil zu verkaufen, da ich dort sowieso keinen Fuß mehr hineinsetzen würde.
Sie explodierte, überschüttete mich minutenlang mit einem Schwall von Beleidigungen, ihre Stimme ein schneidender Dolch. Doch ich blieb standhaft, ein Fels in der Brandung, bis sie einsah, dass sie mich nicht brechen konnte. Also wechselte sie die Taktik und versuchte, Annas Eltern mit ihren Klauen zu bearbeiten. Sie ahnte nicht, dass die sich auf unsere Seite stellen und sie für eine tobende Wahnsinnige halten würden.
Und dann klingelte wieder das Telefon:
„Na, Max, stolz auf dich, was? Ein feiner Sohn – lässt mich in dieser Wohnung wie in einem verlausten Loch mit Fremden hausen! Freu dich, du hast deine Mutter im Alter ins Elend gestoßen, du Held!“
Ehrlich gesagt, tanze ich nicht gerade vor Freude über dieses Chaos. Aber um ehrlich zu sein, ist es mir egal. Sie wollte uns nicht dort haben, also erntet sie jetzt, was sie gesät hat – was soll ich da tun? Diese Wohnung gehört uns beiden rechtlich – nicht nur ihr, nicht nur mir, sondern uns. Soll sie sich winden und drehen, diese verbitterte, durchgedrehte Alte.