Vor Kurzem entschied sich meine Frau Anna, sich von mir scheiden zu lassen, mit der Begründung: „Wir haben keine gemeinsamen Interessen mehr.“ Und diese Interessen verschwanden genau in dem Moment, als ich sagte, dass ich mich weigere, aufs Land zu ihrer Mutter Margarete zu fahren, wo wir im Garten helfen sollten.
Ich kann nicht behaupten, faul zu sein. Im Gegenteil – ich halte mich für fleißig. Doch jedes Wochenende wegen der Kartoffeln hinzufahren, wurde allmählich zur Belastung. Ich möchte meine Wochenenden so verbringen, wie ich es mag: Angeln gehen, Fahrrad fahren oder einfach ausschlafen. Aber nein – meine Frau denkt anders.
Warum sich überhaupt ausruhen? Ihrer Ansicht nach tue ich bei der Arbeit ohnehin nichts, da ich ja „nur im Büro sitze“.
Schon mit vierzehn Jahren begann ich, selbst Geld zu verdienen. Ich traf Anna, als sie sechzehn war, und zu diesem Zeitpunkt war ich bereits volljährig. Da Anna nur von ihrer Mutter Margarete aufgezogen wurde, versuchte ich, ihnen zu helfen: Ich kaufte Lehrbücher für ihr Studium, half beim Kauf von Kleidung und so weiter.
Ebenso unterstützte ich sie im Haushalt. Alle typischen Aufgaben, die man einem Mann zuschreibt, lagen auf meinen jungen Schultern – und ich kam damit recht gut zurecht.
Nachdem Annas Großmutter Helene gestorben war, ging ihr kleines Landhaus an Margarete über. Genau in diesem Moment beschlossen die beiden, sie wollten nun Landeigentümerinnen sein. Mein Rücken schmerzt bereits seit Langem von der Gartenarbeit, aber niemand fragt mich, ob ich weiterhin dort arbeiten möchte. Ich habe schließlich auch eigene Interessen.
Das Frustrierendste ist, dass diese Fahrten viel Benzin erfordern und der Garten keinen nennenswerten Ertrag abwirft. Für die 30–40 Kilogramm Kartoffeln, verglichen mit den Benzinkosten, wäre es deutlich günstiger, sie einfach im Laden zu kaufen.
Keines meiner Argumente überzeugt Anna, und daher geraten wir oft in heftige Auseinandersetzungen. Wir sind seit mehr als fünfzehn Jahren verheiratet und haben viel zusammen durchgemacht, doch nun meint sie, wir hätten keine gemeinsamen Interessen mehr.
Wie soll ich das verstehen? Was ist mit unseren zwei Kindern, unseren Katzen und der gemeinsamen Hypothek? Sind das etwa keine gemeinsamen Interessen? Ich denke, das alles reicht vollkommen aus, um weiterhin zusammenzuleben. Aber Anna ist damit nicht glücklich.
Wie kann ich ihr begreiflich machen, dass dies kein triftiger Grund für eine Scheidung ist?