Nachdem ihr Mann sie verlassen hatte, verlor Anna völlig den Verstand vor Kummer. Sie liebte Markus über alles, konnte sich ein Leben ohne ihn nicht vorstellen, und doch tauschte er sie ohne Zögern gegen seine Freiheit ein—eine Freiheit ohne Kinder und ohne Verantwortung.
Markus bot an, Unterhalt zu zahlen, solange er die Kinder nicht sehen musste, während die törichte Anna im ganzen Treppenhaus hysterische Szenen machte. Die Kinder sahen alles mit an und fühlten wahrscheinlich nur Scham.
Zunächst ließ Anna ihren Frust an ihrer Familie und ihren Kollegen aus, doch später geriet sie in einen Kreis von Kollegen, die viel tranken, und begann, ihre Abende mit ihnen zu verbringen. Sie vernachlässigte ihre Kinder völlig.
Max war bereits 13 Jahre alt, er konnte sich selbst Essen aufwärmen oder etwas online bestellen. Doch ich machte mir große Sorgen um die siebenjährige Lena.
Ihr Bruder kümmerte sich um sie—brachte sie zur Schule, fütterte sie mit Gebäck aus der Schulkantine—aber war das wirklich normal?
Streitigkeiten mit meiner Schwester führten zu nichts. Sie trank weiter, wurde aggressiv und verlangte, dass wir sie und die Kinder in Ruhe ließen. Ich sprach mit unseren Eltern darüber, und gemeinsam trafen wir eine drastische Entscheidung.
Um zu verhindern, dass Anna ihr Sorgerecht verlor und die Kinder mit in den Abgrund riss, nahm ich meinen Neffen und meine Nichte zu mir, während unsere Eltern ihre Mutter in eine Entzugsklinik brachten.
Anna musste fünf Monate im Krankenhaus bleiben, um ihre Alkoholabhängigkeit zu überwinden und den Schmerz der Trennung zu verarbeiten. In dieser Zeit kümmerte ich mich um ihre Kinder.
Später fiel es mir unglaublich schwer, mich von ihnen zu trennen, und sie selbst baten darum, bei mir bleiben zu dürfen. Anfangs war Anna gegen diese Idee, aber als sie sich wieder mit der Realität der Mutterschaft konfrontiert sah und erkannte, wie viel sie verpasst hatte, schlug sie selbst vor, dass wir alle zusammen in ihrem Haus leben sollten.
Ich glaube nicht, dass meine Schwester und ich jemals so eng miteinander verbunden waren wie jetzt. Als Kinder teilten wir uns ein Zimmer und stritten ständig, aber jetzt leben wir in Frieden, unsere Beziehung ist besser als je zuvor, und ich habe vorerst nicht vor, auszuziehen.
Ich werde diesen Schritt erst tun, wenn Anna vollkommen bereit ist, die volle Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen und ihren eigenen Weg weiterzugehen.