Ein unverheirateter Professor ohne eigene Kinder adoptiert drei WaisenkinderDoch als er das alte Familienanwesen betritt, entdeckt er ein verborgenes Zimmer, in dem die drei Kinder von einem jahrhundertealten Geheimnis zu flüstern beginnen.

**Tagebuch, 12. März 1995**
Heute wird mir wieder bewusst, wie selten das Schicksal einen Menschen so plötzlich auf die Probe stellt. Ich, ThomasBecker, habe gerade mein dreißigstes Lebensjahr vollendet und lebe noch immer allein in einer kleinen Mietwohnung am Rande von **Landsberg am Lech**. Mein Beruf ist Gymnasiallehrer für Naturwissenschaften, und meine Klasse ist voller Träume, die nicht meine eigenen sind.

Man könnte sich ein Hochzeitsfoto vorstellen ein Bild von einem Leben mit Partner und Kindern doch das war nie mein Bild.

An einem regnerischen Nachmittag hörte ich in der Lehrerpause das Flüstern über drei Geschwister: **Lisel**, **Grete** und **Jens**. Ihre Eltern waren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Die Kinder waren zehn, acht und sechs Jahre alt.

Sie werden sicher im Heim landen, sagte jemand. Kein Elternteil will sie übernehmen zu teuer, zu viel Aufwand.

Ich schwieg. In dieser Nacht schlief ich kaum.

Am nächsten Morgen sah ich die drei auf den nassen Stufen unserer Schule stehen: nass, hungrig und zitternd vor Kälte. Niemand hatte sie abgeholt.

Am Ende der Woche tat ich, was sonst niemand gewagt hätte: Ich unterschrieb eigenhändig die Adoptionsunterlagen.

Die Nachbarn lachten über mich:

Du spinnst!, riefen sie.
Du bist allein, du hast kaum genug für dich selbst.
Schick sie ins Kinderheim, dann gehts ihnen besser.

Doch ich hörte nicht hin. Ich kochte für sie, flickte ihre Kleider und half ihnen bis spät in die Nacht bei den Hausaufgaben. Mein Gehalt von 1800Euro im Monat war bescheiden, das Leben hart, doch unser Haus hallte stets von ihrem Lachen.

Jahre vergingen. Die Kinder wuchsen heran. Lisel wurde Kinderärztin, Grete Chirurgin und Jens der Jüngste ein renommierter Rechtsanwalt, der sich auf Kinderrechte spezialisiert hat.

Bei ihrer Abschlussfeier stiegen alle drei auf die Bühne und sagten dieselben Worte:

Wir hatten keine Eltern, doch wir hatten einen Lehrer, der niemals aufgab.

Zwanzig Jahre nach jenem regnerischen Tag sitze ich nun auf der Vordertreppe, das Haar grau gefärbt, ein stilles Lächeln im Gesicht. Die Menschen, die einst über mich spotteten, grüßen mich jetzt mit Respekt. Die entfernten Verwandten, die den Kindern den Rücken gekehrt hatten, tauchen plötzlich auf, scheinbar interessiert.

Ich fühle keinen Groll. Ich sehe nur meine drei Kinder, die mich liebevoll Vater nennen, und erkenne, dass die Liebe mir eine Familie geschenkt hat, von der ich nie geglaubt hätte, dass sie existieren kann.

**Tagebuch, 7. August 2015**
Die Jahre haben die Bindung zwischen mir und Lisel, Grete und Jens nur stärker werden lassen. Nachdem jeder von ihnen in seinem Beruf Menschen geholfen hat, planten sie eine Überraschung für mich.

Kein Geschenk kann das vergelten, was ich ihnen gegeben habe: ein Zuhause, Bildung und vor allem Liebe. Doch sie wollten es versuchen.

An einem sonnigen Nachmittag fuhren sie mich mit dem Auto ohne zu verraten, wohin und ich, jetzt fünfzig, lächelte verwirrt, während wir einen von Bäumen gesäumten Landweg entlangfuhren.

Als wir anhielten, stand vor uns ein prächtiges weißes Anwesen, umgeben von Rosen und Stiefmütterchen, mit einem großen Schild über dem Tor:

**BeckerHof**.

Ich blinzelte, gerührt.

Was was ist das?, murmelte ich.

Jens legte seinen Arm um meine Schulter.

Das ist dein Haus, Papa. Du hast uns alles gegeben. Jetzt ist es an der Zeit, dass du etwas Schönes bekommst.

Sie überreichten mir nicht nur die Hausschlüssel, sondern auch den Schlüssel zu einem eleganten silbernen Wagen, der bereits im Vorgarten stand.

Ich lachte zwischen Tränen und schüttelte den Kopf:

Das hätte ich nicht nötig gehabt Ich brauche nichts davon.

Grete lächelte sanft.

Doch wir müssen es dir geben. Durch dich haben wir gelernt, was wahre Familie bedeutet.

Im selben Jahr unternahmen sie meine erste Auslandsreise nach **Paris**, **London** und dann in die **Schweizer Alpen**. Ich, der mein kleines Städtchen nie verlassen hatte, sah die Welt mit den staunenden Augen eines Kindes.

Ich schickte Postkarten an meine alten Kolleginnen und Kollegen, immer mit derselben Unterschrift:

Von Herrn Becker stolzer Vater von drei Kindern.

Während ich an fernen Küsten den Sonnenuntergang beobachtete, wurde mir eine tiefe Wahrheit bewusst: Ich hatte einst drei Kinder vor Einsamkeit gerettet und in Wirklichkeit waren es sie, die mich gerettet hatten.

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