Betrug lohnt sich nie: Die Wahrheit kommt immer ans Licht

Sigmund und Johannes lernten sich bei der Arbeit kennen. Johannes kam ins Büro, um sich als Abteilungsleiter zu bewerben, und von Anfang an schienen die beiden Männer sich gut zu verstehen. Johannes war Sigmund auf Anhieb sympathisch – ein charismatischer, witziger Mann mit einer Vorliebe für Späße.

Mit ihm waren alle Firmenfeiern ausgelassen, und als Mensch schien er durchaus in Ordnung zu sein. Sigmund hatte kürzlich seine Mutter verloren und kämpfte mit finanziellen Problemen. Johannes half ihm in dieser schweren Zeit, und so entwickelte sich schnell eine enge Freundschaft zwischen ihnen.

Eines Tages vertraute Johannes ihm ein Geheimnis an. Er hatte eine Affäre. Seine Ehe sei langweilig geworden, seine Frau, Klara, sei still, zurückhaltend und unscheinbar. Doch dann war da diese andere Frau – Sandra. Ganz anders als seine Frau. Temperamentvoll, aufregend, voller Leben.

Anfangs lachte Sigmund nur darüber. Er hatte Klaras Bekanntschaft nie gemacht und glaubte Johannes jedes Wort. Immer wieder bat ihn sein Freund, ihn gegenüber seiner Frau zu decken.

Sigmund besaß eine kleine Werkstatt, und Johannes hatte ein Auto. Also erzählten sie Klara, dass sie gemeinsam am Wagen bastelten. Sie glaubte ihnen ohne zu zögern.

Eines Tages lud Johannes seinen Freund zu sich nach Hause ein. Sigmund zögerte. Er fühlte sich unwohl bei dem Gedanken, der Frau, die er immer wieder belogen hatte, in die Augen zu sehen. Doch schließlich sagte er zu.

Er stellte sich Klara als eine langweilige Hausfrau vor – eine graue Maus, die das Essen servieren und dann verschwinden würde. Doch als er an jenem Abend in das Haus trat, wurde er überrascht. Klara war freundlich, hatte ein strahlendes Lächeln und einen feinen Sinn für Humor. Sie war einladend, witzig und, ja, sie war ein wenig rundlicher, aber das machte sie nur noch attraktiver.

Sigmund konnte nicht begreifen, was Johannes an dieser wunderbaren Frau nicht genügte. Er sah, wie sie ihn ansah, voller Bewunderung und Liebe. Und plötzlich fühlte Sigmund sich schrecklich. Er hatte mit seinen Lügen diese aufrichtige Frau betrogen.

Beim Abschied lud Klara Sigmund ein, öfter vorbeizukommen. Sie wusste, dass er seine Mutter verloren hatte und oft nicht richtig aß. Sie würde ihn gerne mit gutem Essen versorgen.

Nach diesem Abend entbrannte ein heftiger Streit zwischen den beiden Freunden. Sigmund wollte Johannes nicht mehr decken, doch dieser bestand darauf, dass männliche Solidarität über allem stehen sollte.

„Du kennst Sandra nicht! Wenn du sie sehen würdest, würdest du mich verstehen! Klara erfährt doch nichts, warum sollte sie leiden? Sie glaubt, ich bin in der Werkstatt – und das reicht ihr. Also sind alle glücklich!“

Einige Wochen später kam Johannes strahlend aus dem Büro des Direktors. Er hatte sich eine Woche Urlaub genommen. Mit Sandra wollte er ans Meer fahren. Klara würde er erzählen, dass er auf Geschäftsreise sei – und Sigmund sollte das bestätigen.

Doch diesmal weigerte sich Sigmund. Er hatte genug.

Am nächsten Tag rief Klara ihn an und bat ihn, vorbeizukommen.

Als er ankam, fand er sie mit verweinten Augen vor. Sie bat ihn, ihr die Wahrheit zu sagen.

„Johannes hat mich mehrmals mit ‚Sandra‘ angesprochen“, sagte sie leise. „Ich habe Parfüm an ihm gerochen, das nicht meines ist. Und jetzt ist er ‚auf Geschäftsreise‘. Bitte, Sigmund. Ich will endlich wissen, was los ist. Auch wenn es wehtut.“

Sigmund konnte ihr die Wahrheit nicht länger verheimlichen.

Eine Woche später kehrte Johannes aus dem Urlaub zurück. Doch zu Hause erwartete ihn niemand. Klara hatte sich distanziert, ihre Stimme am Telefon war kühl geworden. Und nun nahm sie gar nicht mehr ab.

Seine Schwiegermutter wusste nicht, wo sie war. Ihre Freundinnen auch nicht.

Schließlich rief er Sigmund an.

Dessen Stimme war ruhig. „Klara ist bei mir.“

Innerhalb von fünfzehn Minuten stand Johannes vor Sigmunds Tür. Mit verkniffenem Gesicht sah er seine Frau auf der Couch sitzen, im Morgenmantel, den Blick auf den Fernseher gerichtet.

Sigmund stand vor ihm, unbeweglich.

Johannes drehte sich zu ihm um, und in seinen Augen loderte Wut. „Wie konntest du es wagen?! Ich habe dich nur gebeten, meine Geschichte zu bestätigen!“

Sigmund antwortete gelassen. „Während du mit anderen Frauen herumgelaufen bist, hat Klara angefangen, mich zu bemerken. Und jetzt lieben wir uns. Sie hat die Scheidung eingereicht.“

Johannes’ Gesicht wurde rot. „Sie hat mich für dich verlassen? Einen Mann, der kaum über die Runden kommt? Einen erbärmlichen Kerl?“

Dann schlug er mit der Faust gegen die Wand und rannte aus der Wohnung.

Klara sah Sigmund an, ihre Augen voller Tränen. Er nahm sie in die Arme, während sie leise schluchzte.

Johannes kündigte seinen Job und verschwand. Klara und Sigmund heirateten – und fingen gemeinsam ein neues Leben an.

Leave a Reply

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!: