Anna hört oft von ihren Freundinnen, dass sie großes Glück mit ihrer Schwiegermutter hat. Die Frau bemüht sich wirklich, der jungen Familie zu helfen, und in Zukunft, wenn ein Kind da ist, wird ihre Unterstützung noch wertvoller.
Vor fünf Jahren heiratete Anna ihren Mann Lukas, und im ersten Jahr lebten sie in der Wohnung seiner Mutter in Berlin. Diese Zeit war zwar kein Albtraum – seine Mutter nahm Anna freundlich auf, es gab keine großen Streitigkeiten, und die Hausarbeit wurde geteilt –, doch an Privatsphäre mangelte es dem jungen Paar erheblich. Seine Mutter konnte jederzeit unangekündigt ins Schlafzimmer kommen, Dinge nach ihrem Geschmack umräumen und Anna später vorwerfen, dass sie die Ordnung nicht ausreichend aufrechterhalte.
Als das Ehepaar schließlich ein eigenes Haus in München kaufte und umzog, wurde das Leben deutlich ruhiger. Die Treffen mit Lukas’ Mutter waren geplant und beschränkten sich auf die Wochenenden.
Doch diese Ruhe währte nur ein Jahr. Eines Tages erklärte seine Mutter, dass sie näher an ihre Kinder ziehen wolle – in ihrer Nachbarschaft stehe eine gute Wohnung zum Verkauf, und sie wolle in der Nähe sein, um der Familie zu helfen. Anna und Lukas waren nicht begeistert von der Idee, halfen aber dennoch beim Kauf und beim Umzug.
Von diesem Moment an war es mit der Ruhe vorbei. Seine Mutter bat um einen Schlüssel zur Wohnung und kommt nun vorbei, wann immer es ihr passt, ohne sich vorher anzukündigen. Anna kommt nach der Arbeit nach Hause und findet ihre Schwiegermutter bereits in der Küche beim Kochen. Zudem hält es diese für ihre Pflicht, dem jungen Paar zu zeigen, wie ein Haushalt richtig geführt wird – natürlich unter dem Vorwand der Fürsorge und Unterstützung.
Doch am meisten stört Anna der völlige Verlust der Privatsphäre. Ihre Schwiegermutter betritt ohne Erlaubnis das Schlafzimmer, wäscht Annas Unterwäsche und weckt sie sogar am Wochenende um sieben Uhr morgens mit einem Teller frisch gebackener Pfannkuchen – denn kalte Pfannkuchen schmecken schließlich nicht so gut.
Lukas sieht darin kein Problem – er freut sich, dass seine Mutter in der Nähe ist und hilft. Doch Anna hat zunehmend das Gefühl, dass ihre Familiengrenzen verschwimmen.
Wie kann sie ihrer Schwiegermutter sanft, aber bestimmt klarmachen, dass ihre Einmischung in ihr Leben Grenzen haben sollte? Wie kann sie deutlich machen, dass sie als Gast willkommen ist, aber eben nur als Gast, und sich auch so verhalten sollte?